Andacht Woche 16

Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes

 

„Hilfe, so helfen Sie mir doch!“ – „Wasser!“  Wohin das Auge sah, waren verwundete Männer, die sich vor Schmerzen krümmten. Die Felder rings um die vier Dörfer von Solferino in Norditalien waren zertreten und aufgewühlt. Waffen lagen herum, man sah erschöpfte und verzweifelte Männer – und viele Tote. Was war geschehen? Kaiser Napoleon der Dritte. von Frankreich hatte sich mit den Italienern vereint, um gegen Österreich zu kämpfen. Mit Waffen und bloßen Händen kämpften die Soldaten gegeneinander. Fünfzehn Stunden dauerte der Kampf in großer Hitze, ohne dass die Kämpfenden eine Pause zum Essen oder Trinken hatten. Die Österreicher mussten aufgeben und das Schlachtfeld in Windeseile verlassen. Dabei luden sie so viele Verwundete wie nur möglich auf Karren und Wagen, die sie fanden. Allerdings konnten sie nicht alle mitnehmen und so blieben Tausende von verletzten, hilflosen Soldaten zurück, die voller Angst waren, dass der Feind sie noch überwältigte. Die größte Qual neben der Verwundung war der Wassermangel. Die Zurückgelassenen hatten nichts: Es gab keine Medikamente, kein Verbandszeug, kein Essen, kein Wasser. Es war keiner da, der die Aufgabe hatte, sich um die Verwundeten zu kümmern, geschweige denn ein Arzt.

Diese Tatsache störte Henry Dunant. Er war kein Soldat und hatte mit dem Krieg hier nichts zu tun. Eigentlich war er nach Solferino gekommen, um mit Kaiser Napoleon dem Dritten zu reden. Doch was sollte er jetzt tun? Es waren so viele, die verletzt, durstig und hungrig waren. Die Menschen hier gingen ihn nichts an, er kannte niemanden. Doch er konnte nicht einfach zurück in seine Unterkunft gehen und die Menschen hier vergessen. Was hätte Jesus wohl getan?

Man hatte inzwischen die Verwundeten von beiden Kriegsgegnern in die Dörfer rund um das Schlachtfeld gebracht. Die Kirchen und Klöster der Gegend wurden zu Krankenhäusern, und es wurde sogar an den Straßenrändern Stroh aufgehäuft, um dort die Verwundeten zu lagern. Henry versuchte, Hilfe zu organisieren. Er hatte schon früher bei der Stiftung CVJM Hilfe für andere organisiert, allerdings hatte er eine solche Katastrophe noch nie gesehen. Als Erstes sorgte er dafür, dass den Verwundeten Wasser gebracht wurde. Kleine Jungen beauftragte er, vom nächsten Dorfbrunnen mit Gießkannen und Eimern Wasser zu holen und zu den Verletzten zu bringen. Er kaufte Hemden und Verbandszeug, um den Männern helfen zu können. Dann schickte er seinen Kutscher los, um in der nahe gelegenen Stadt um Vorräte zu holen. Die Frauen aus dem Dorf unterstützten ihn. Leider hatten sie keine Erfahrung in der Krankenpflege, aber sie halfen, wo sie konnten. Doch dann zögerten sie. Unter den Verwundeten waren auch Feinde; sollten sie auch denen helfen? Henry Dunant wiederholte immer wieder: „Alle sind Brüder!“ Nach kurzer Zeit halfen sie auch den Feinden. Da entdeckte Henry Dunant zwei Ärzte unter den feindlichen Österreichern, die den Verletzten helfen konnten. Er versuchte mit allen Mitteln, die er hatte, zu helfen. Oft konnte er nur etwas Wasser geben, Wunden notdürftig verbinden und dem Verwundeten zuhören. Dabei war er hin- und hergerissen, er konnte nicht überall sein und allen helfen. Henry Dunant war entsetzt darüber, wie schlecht alles organisiert war. War es denn nicht vorauszusehen gewesen, dass es viele Verwundete geben würde? Hätte man nicht schon vor der Schlacht für mehr Wagen, Verbandszeug, Medikamente und Helfer sorgen können? Es war zwar bewundernswert, wie viele Bewohner bereit waren zu helfen, doch die Hilfe war ungeordnet. Viele wussten einfach nicht, wie und wo sie anpacken sollten. So konnte nicht so viel getan werden, wie nötig und möglich gewesen wäre. Auch war die Kraft und Begeisterung zu helfen nach acht oder zehn Tagen erloschen, da immer noch jeden Tag Hunderte starben. Die Helfer waren zutiefst frustriert und wurden bis auf wenige Ausnahmen gleichgültig und müde. Inzwischen gab es zwar genügend zu essen und auch Verbandsmaterial, doch es gab zu wenige Hände, die das Essen austeilten, Wunden verbanden und Verbände wechselten. Das viele Leiden und Sterben war so unnötig! Sehr viele Männer starben im Krieg. Zwei Monate später hatte sich die Zahl der Toten verdoppelt, denn auch die Verwundeten starben, nur weil ihre Wunden nicht rechtzeitig gereinigt werden konnten und sich dadurch entzündeten wurden.

Während Henry Dunant half, kamen ihm viele Ideen, wie man künftig dieses unnötige Sterben vermindern oder gar vermeiden könnte. Wie viele Leben würden gerettet werden, wenn man entsprechende Vorbereitungen für den Kampf vorher treffen würde: z. B. Verbandszeug und Medikamente bereitstellen; dafür sorgen, dass während des Kampfes ausgebildete kräftige Helfer die Verwundeten rechtzeitig vom Kampfplatz trügen und dass Ärzte zur Stelle wären, die sich um die Verletzten kümmerten. So wären die Verwundeten nicht auf die zufällige Barmherzigkeit der Vorbeikommenden angewiesen. Ebenso wäre es hilfreich, wenn sorgfältig gebaute Wagen und Tragen zur Verfügung stehen würden. So könnte rechtzeitig geholfen werden und die Männer würden nicht beim Transport zusätzlich verletzt werden oder an Verletzungen sterben, die an sich nicht gefährlich waren. Nach drei Jahren zog er sich zurück und schrieb seine Erinnerungen auf. Henry Dunant wollte durch diese Niederschrift nicht nur seine Erfahrungen aufschreiben, sondern auch die Menschen aufrütteln. Auf eigene Kosten ließ er diese Erinnerungen und Vorschläge drucken und schickte sie an Königshäuser, Minister, Politiker, Militärs, Schriftsteller und eigene Freunde, um sie auf die Not aufmerksam zu machen. Mit Erfolg.

Dreieinhalb Jahre nach der Schlacht traf sich Henry Dunant mit einem Rechtsanwalt, dem Präsidenten einer Genfer Gesellschaft und zwei Ärzten, um zu beraten, wie man seine Ideen verwirklichen könnte. Aus dieser Gruppe von Menschen, die sich mit der Umsetzung von Henry Dunants Ideen beschäftigten, entstand das Internationale Rote Kreuz. Unermüdlich reiste Henry Dunant in Europa von Regierung zu Regierung, um sie von der Notwendigkeit eines gemeinsamen, internationalen Handelns zu überzeugen. Im Oktober 1863 kam es zu einer ersten Genfer Konferenz, ein erstes länderübergreifendes Zusammentreffen: Vertreter von sechzehn Ländern verfassten ein Schriftstück, das die Grundlage für das Rote Kreuz bildete. Im August 1864 entstand auf Drängen Henry Dunants ein Vertrag, der von zwölf Ländern unterschrieben wurde. Es sollte verhindern, dass Krankenstationen auf dem Kampfgebiet, Sanitätswagen, Krankenpflegepersonal und medizinische Ausstattung beschossen wurden. Außerdem sollte nach Verwundeten gesucht und ihre Verletzungen sollten behandelt werden. Nun durfte das Rote Kreuz Symbol nicht mehr beschossen werden ob es auf einem Krankenwagen oder an einem Arzt befestigt war. So erinnert dieses Rote Kreuz Symbol auch auf das Leiden von Jesus Christus hin.

Auch heute sind Kriegstod und Kriegsverletzungen genauso schlimm wie damals, doch heute sind die Soldaten mit Notverpflegung, Verbandszeug und Medikamenten ausgestattet. Schmerzen können gelindert werden. Anders als damals stehen Ärzte und Helfer heute zur Verfügung, die sich mit Verletzungen und Schmerzen auskennen. Die Helfer sind neutral und stehen kaum noch in Gefahr angegriffen zu werden. Auch in Friedenszeiten sind heute Helfer bereit, bei Katastrophen, z.B. Erdbeben und Unfällen, zu helfen. Unsere Vorfahren haben den Ersten bzw. Zweiten Weltkrieg erlebt und manche hätten diese Kriege ohne das Rote Kreuz nicht überlebt.

Durch eine sehr grosse Beschäftigung mit der Gründung des Roten Kreuzes konnte sich Henry Dunant nicht so gut um seine Geschäfte kümmern. Weitere Umstände führten dazu, dass er 1867 bankrott wurde. Dadurch wurden die Leute böse auf in weil sie Geld in seine Stiftung gesteckt hatten. Alle behaupteten er sei an dem Bankrott schuld und Henry Dunant konnte sich nicht verteidigen, weil er nicht in Genf war. Henry Dunant musste Genf verlassen. Er wollte alles zu tun, um den Schaden wieder in Ordnung zu bringen. Trotz allem reiste er zwanzig Jahre lang durch Europa und entwickelte weitere Ideen, um den Menschen zu helfen. Gleichzeitig war Henry Dunant bitter arm. Er hatte viel Hunger und wurde immer kränker, von der Öffentlichkeit wurde er bald für tot gehalten, weil man nichts mehr von ihm hörte. Seine Situation besserte sich, als sein Onkel ihn in einem Testament etwas Geld gab. So konnte Henry Dunant 1887 zurück in die Schweiz ziehen und sich ein einfaches Zimmer mieten. Dort wurde er von einem Journalisten entdeckt, der über den Totgeglaubten einen Zeitungsartikel verfassen wollte. Erst dadurch wurde die Öffentlichkeit wieder auf ihn aufmerksam. Er erhielt Briefe und Spenden. Henry Dunant wurden Auszeichnungen gegeben auch einen Ehrenpreis beam er. 

 

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